Home
Paris
London
Genf
Italien
Frankreich
Schweiz
Engadin
Österreich
Wien
Grand Hotel Wien
Hotel Imperial
Hotel Sacher
Hotel Bristol
Kaffeehäuser
Impressionen
Deutschland
Baden-Baden
Berlin
Dresden
Frankfurt am Main
Hamburg
München
Imperial Delhi
Werner Durrer
Bibliographie
Guest Book
     
 


Hotel SacherDas Hotel Sacher verführt uns nicht mit imperialem Glanz, sondern mit seinen kleinen und charmanten Räumen. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt der Innenarchitekt Pierre-Yves Rochon, der einen Hauch französischer Verspieltheit nach Wien importiert hat. Die Einheimischen spielen gerne mit, die Räumlichkeiten des Sacher sind stets gut besucht.       

Hotel Sacher



Hotel SacherDas Hotel Sacher profitiert sowohl von seiner Torte und dem Café gleichen Namens als auch von seiner exklusiven Lage neben der Oper und am Rande der Fussgängerzone. Als Gast des Hotels müssen Sie allerdings keine Angst haben, dauernd über irgendwelche Touristen, die das Café Sacher rund um die Öffnungszeiten belagern, zu stolpern. Denn der Eingang zum Café ist nicht mit dem Hoteleingang identisch. Doch über einen Mangel an Gästen dürfen Sie sich nicht beklagen. Wir betreten das Hotel Sacher zum ersten Mal und sind überrascht über die relativ engen Platzverhältnisse. Ein bisschen orientierungslos irren wir durch die kleinen Räume, – eines führt ins nächste usw. - schlussendlich landen wir dann doch noch zielgenau in der Hotelbar namens „Blaue Bar“.

Hotel Sacher, Blaue BarGenau an dieser Stelle, wo ich mit meinem Schweizer Madel eintrete, müsste eigentlich Heino sein Lied „Blau blüht der Enzian“ singen, aber es läuft nur leise eine Hintergrundmusik mit Zufallscharakter. Am Sonntagabend sind in der sehr kleinen Bar bereits einige Plätze besetzt. Wir dürfen uns an einen Tisch setzen, der für die Baronin Teufenstein und die Gräfin Esterhazy reserviert sind. Da die Hochverehrten erst in einer Stunde kommen, dürfen wir ihre Sitze vorwärmen.

Hotel SacherWir studieren die Barkarte und bestellen zwei Haus-Cocktails. Sowohl der Anne Sacher wie der Sir George sind gut gemixt. Der einzige Wehrmutstropfen besteht darin, dass wir zu diesen Drinks in Silberschälchen salzige Apéro-Nüsschen erhalten. Etwas Süsses würde besser dazu passen. Der Bartender arbeitet mit einer jungen Serviceangestellten zusammen. Die beiden sind dauernd in Bewegung und unterwegs, da von der Bar aus auch die anderen Räumlichkeiten bedient werden. Dies führt zu einer leicht nervösen Stimmung im Lokal. So verlassen wir die „Blaue Bar“ nicht blau und ohne zu singen „Ja, ja, so blau, blau, blau … „

Hotel Sacher


Hotel SacherBei unserem zweiten Besuch an einem Mittwochabend zur Apérozeit sind die verwinkelten Räumlichkeiten des Hotel Sacher wieder gut besucht, aber in der Bar dürfen wir uns den Platz selbst aussuchen. Ein anderes Bar-Team ist auch heute dauernd unterwegs, aber es tritt sehr kompetent auf. So entsteht im Lokal eine lockere statt einer nervösen Stimmung. Dazu tragen auch die Les Humphries Singers bei, die dezent mit ihren Hits die Räume beschallen.

Hotel Sacher, Blaue BarIm grossen roten Salon findet eine Cocktail-Party statt. Unser Martini mit Tanqueray-Gin ist tadellos – sehr trocken und kalt. Dazu erhalten wir passende Apéro-Nüsschen. Es ist unglaublich, aber der Martini kostet hier nur neun Euro. Darauf sollten wir eigentlich eins singen …

Hotel Sacher



Café SacherNatürlich haben wir auch das Café Sacher besucht und ein Punschdessert, das wir bereits vom Sacher in Innsbruck kannten, genossen. Beachten Sie unter "Kaffeehäuser" unseren Test: Sachertorte vs Imperial-Torte.

Original Sachertorte



Hotel SacherNormalerweise beginnt die Geschichte eines Hotels so: Ein Hotelier beauftragt einen Architekten, ein Hotel zu bauen oder ein bestehendes Haus in ein Hotel umzuwandeln. Beim Hotel Sacher beginnt sie ganz anders: Fürst von Metternich beauftragt den Konditor-Lehrling Franz Sacher, für seine Gäste ein neues Dessert zu erfinden. Und der Sechzehnjährige kreiert die Sachertorte.

Hotel Sacher, historische Aufnahme



Franz SacherErste Berufserfahrungen nach der Lehre sammelt Franz Sacher (1816-1907) in Bratislava und auf den Donauschiffen. Nach seiner Rückkehr nach Wien macht er sich selbständig mit einem Feinkostgeschäft, das natürlich auch seine Torte verkauft. Um die Sachertorte auch noch in ein Hotel zu transformieren, heiratet Franz die Rosa und zeugt den Sohn Eduard.


Eduard SacherEduard Sacher (1843-1892) geniesst eine Ausbildung im elterlichen Betrieb, aber auch bei der bekannten Konditorei Demel. Dort entwickelt er die Torte seines Vaters weiter, was eine Generation später wegen des Namens zu juristischen Streitigkeiten zwischen Sacher und Demel führen wird. Heute nennt sie sich einfach "Demel’s Sachertorte" im Demel, bzw. "Origninal Sachertorte" im Café Sacher. Danach sammelt Eduard Sacher Erfahrungen in Paris und London. Nach Wien zurückgekehrt, eröffnet er eine einfache Gaststätte. Zwei Jahre später kann er an der Kärntnerstrasse ein Lokal mit Chambres séparées, wie er es in Paris kennengelernt hat, einrichten. Ebenfalls beteiligt er sich 1873 mit einem Café-Restaurant an der Weltausstellung im Prater. Die Eröffnung des k.k. Hof-Operntheaters, die heutige Wiener Staatsoper, im Jahre 1869 macht das dahinter stehende Theater am Kärntnertor überflüssig. So wird es trotz Protesten aus der Bevölkerung abgerissen und das freie Grundstück an eine Investorengruppe verkauft. Diese beauftragt für die Überbauung den Architekten Wilhelm Fraenkel.


Theater am KärntnertorWilhelm Fraenkel (1844-1916) erstellte bereits pünktlich zur Weltausstellung das Hotel Austria. Für die neuen Auftraggeber plant er sechs zusammengebaute Wohnhäuser im Neorenaissance-Stil. Eines davon erwirbt Eduard Sacher von der Investorengruppe und lässt es zum Hotel umwandeln. Heute gehören alle sechs Gebäude zum Hotel.

Hotel Sacher, historische AufnahmeDa die Häuser unterschiedliche Niveaus haben, befinden sich nicht alle Stockwerke auf derselben Ebene. So verhelfen entsprechende Verbindungsgänge, Treppen und Winkel dem Hotel Sacher zu seinem Charme. 1876 kann das Hotel de l’Opera, wie es zunächst heisst, eröffnet werden.

Hotel Sacher, historische AufnahmeSchnell zeigt sich, dass der Name Sacher bereits viel zu prominent ist, um sich hinter der Oper zu verstecken. So wird schon bald nach der erfolgreichen Eröffnung der Name auf Hotel Sacher geändert. Selbstverständlich führt das Hotel auch ein erstklassiges Restaurant.


Anna SacherEduard Sacher heiratet 1880 Anna, geborene Fuchs. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor. Schnell arbeitet sich die Metzgerstochter in den Hotelbetrieb ein. Nachdem ihr Mann bereits 1892 stirbt, wird Anna Sacher (1859-1930) die Chefin im Haus. Rasch steigt die resolute Frau zu einer stadtbekannten Wiener Persönlichkeit auf. Zu ihrem Markenzeichen werden die kubanischen Zigarren, die sie oft raucht, und die französischen Bulldoggen, die sie fast immer begleiten. Ihre strenge Führung gegenüber den Mitarbeitern hält sie nicht davon ab, eine Betriebskrankenkasse einzurichten und Kuraufenthalte ihrer Angestellten zu finanzieren. Unter ihrer Leitung steigt das Hotel Sacher zu einem der beliebtesten Häuser der österreichisch-ungarischen Monarchie auf. Dazu zählt auch das Restaurant mit den Chambres separées, die noch ihr verstorbener Mann einbauen liess.

Anna SacherDer Grosse Krieg und das Ende der Donaumonarchie setzen dem Hotel Sacher und ihrer Besitzerin zu. Immer mehr zieht sich Anna Sacher aus dem Hotelbetrieb zurück. Als sie 1930 stirbt, wird der Trauerzug von Tausenden von Wienern begleitet. In ihrem Testament vermacht sie den führenden Mitarbeitern namhafte Beträge, ohne zu wissen, dass es finanziell um den Betrieb sehr schlecht steht. 1934 geht das Hotel Sacher in Konkurs.


Hotel Sacher, historische AufnahmeDas Haus ist in die Jahre gekommen, aber der Name klingt immer noch viel versprechend. So erwerben das Anwalts-Ehepaar Hans und Poldi Gürtler und das Hotelier-Ehepaar Josef und Anna Siller das Objekt. Sie engagieren den Architekten Carl Witzmann (1883-1952), um dem Haus wieder seinen ursprünglichen Glanz zu verleihen und es gleichzeitig mit den modernsten Annehmlichkeiten auszustatten.

Hotel Sacher, historische AufnahmeWitzmann ist ein Schüler von Josef Hoffmann, dem Gründer der Wiener Werkstätte. Er spezialisiert sich auf Umbauten und Innenarchitektur, entwirft auch Möbel. Die Zeit für Chambres separées ist passé; sie müssen einem Speissaal Platz machen. Zusätzlich wird ein Ladengeschäft eingerichtet, um die Sachertorte auch über die Gasse zu verkaufen.

Hotel Sacher, historische Aufnahme Mit dem Besuch von König Eduard VIII. wird das Sacher wieder zum Hotel der Aristokratie und des Geldadels. Doch die Zeit für das neue Sacher ist kurz. Der 2.Weltkrieg bricht aus. Danach wird das Gebäude für sechs Jahre von den Briten beansprucht, in deren Besatzungszone es steht. 1950 wird es den Eigentümern übergeben, die es wieder renovieren und vergrössern. Josef Siller stirbt 1949, seine Frau Anna 1962.


Hotel Sacher SalzburgDanach geht das Hotel vollständig in den Besitz der Familie Gürtler über, der es auch heute noch gehört. Die Geschäfte laufen gut. So kann die Familie 1988 den Österreichischen Hof in Salzburg übernehmen, der sich ab dem Jahr 2000 Hotel Sacher Salzburg nennt.


Hotel SacherIm Jahr 2004 engagieren die Eigentümer den renommierten französischen Innenarchitekten Pierre-Yves Rochon, um den öffentlichen Bereich im Parterre zu renovieren und die 52 neuen Zimmer einzurichten, die durch die Aufstockung des Gebäudekomplexes entstehen.

Hotel SacherEin Jahr später folgt ein Spa. Und im Jahr 2011 wird erneut Pierre-Yves Rochon ins Haus geholt, um auch noch die „alten“ Sacher-Zimmer sanft auf den neusten Stand zu bringen.


Charles Laughton, Billy Wilder und Tyrone Power im Hotel Sacher, 1957Aus Anlass der Premiere des Gerichts-Filmes "Zeugin der Anklage" (Witness for the Prosecution), nach einem Theaterstück von Agatha Christie, weilen im Jahr 1957 der Regisseur Billy Wilder und seine Hauptdarsteller Charles Laughton und Tyrone Power im Hotel Sacher.

Charles Laughton und Billy Wilder im Hotel Sacher, 1957  



John Lennon & Yoko Ono im Hotel Sacher, 1969Im Frühjahr 1969 veranstalten John Lennon und Yoko Ono im Hotel Sacher eine ihrer berühmten bed-ins. Und 43 Jahre später weilt Yoko Ono wieder im Sacher. Sie erhält in Wien von der Bundesregierung den Oskar-Kokoschka-Preis.

Yoko Ono im Hotel Sacher, 2012                      



Hotel SacherRestaurants: Rote Bar – Wiener Küche, Anna Sacher – Gourmetrestaurant, Café Sacher, Blaue Bar; Zimmer: 149 Zimmer & Suiten; Adresse: Hotel Sacher, Philharmonikerstrasse 4, A-1010 Wien / http://www.sacher.com/de-hotel-sacher-wien.htm 

Hotel Sacher, Restaurant Rote Bar



© tscheiar.ch - 2012 / 2015