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Chaplin's World

Chaplins' World mit Landsitz Manoir de Ban

Im Jahr 2016 wurde oberhalb von Vevey das Museum Chaplin’s World eröffnet. Dass es nicht in Paris, London oder Los Angeles steht, hat mit Politik zu tun. Charles Chaplin, der immer die englische Staatsbürgerschaft beibehielt, machte seine beispiellose Karriere zwar in Hollywood. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg wird es für ihn als aktiven Freund des Weltfriedens immer schwieriger, in den USA zu leben. Zu jener Zeit stürzt sich Nordamerika zielstrebig in die Systemkonfrontation, den Kalten Krieg. Pazifisten, Antimilitaristen und Humanisten sind der Verfolgung durch die Regierung ausgesetzt.
Nachdem sich Chaplin mit seiner Familie auf eine Europareise begibt, wird ihm die Wiedereinreise in die USA verweigert. Er findet für sich und seine Familie Asyl in der Schweiz, wo er in Corsier-sur-Vevey 1952 den Landsitz Manoir de Ban erwerben kann, der nun Bestandteil des neuen Museums ist. Hier bereitet er seine Filme A King in New York und A Countess from Hong Kong vor, hier schreibt er seine Autobiografie und das Buch My Life in Picture und hier komponiert er eine neue Musik zu The Circus.   
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Ein Zeitungsausschnitt als Ausstellungsstück des Chaplin's World
Prix international de la Paix

Ausstellungsstück Chaplin's World

Für sein überzeugtes Einstehen für den Weltfrieden erhält Charles Chaplin am 4. Juni 1954 auf seinem Landsitz den Prix international de la Paix (Foto). Neben seinem Einstehen für den Frieden geben auch seine Filme Anlass für die politische Verfolgung seiner Person durch die USA: In Modern Times etwa kritisiert er die kapitalistische Arbeitswelt, in The Great Dictator die isolationistische Haltung der USA gegenüber dem Krieg gegen Hitler in Europa. Die USA treten erst im Dezember 1941 dem Krieg bei. Das Geld, das er mit dem Friedenspreis erhält, lässt er an die Armen in Paris und London verteilen. 
Ehrenoscar

Ausstellungsstück Chaplin's World

So wird Chaplin erst 1972 für ein paar Tage in die USA zurückkehren, um den Ehrenoscar für sein Lebenswerk abzuholen. Das Publikum ehrt ihn mit langanhaltendem Beifall. Später wird Chaplin über die Verleihung schreiben: „Ich war von der Geste gerührt, aber sie barg auch eine gewisse Ironie.“ Auf jeden Fall zählte dieser Ehrenoscar zu den Höhepunkten der Veranstaltung. Denn viel zu feiern gab es Anfang der 1970er Jahren für den nordamerikanischen Film nicht. Die Regisseure des New Hollywood hatten noch nicht reüssiert, die gewinnträchtigen Katastrophenfilme waren noch nicht gedreht. Die grossen Studios standen kurz vor dem Konkurs.
Chaplin's World

Zwei Ausstellungsstücke im Chaplin's World

Nun also darf die Schweiz Gastgeber für die vielen weltweiten Chaplin-Freunde sein. Das Museum Chaplin’s World in Corsier-sur-Vevey hat sich im ehemaligen Landsitz Manoir de Ban eingerichtet. Im Landhaus treffen wir auf das Privatleben von Chaplin. Die ehemaligen Wohnräume der Familie können besichtigt werden. Daneben präsentiert ein Neubau die Welt der Chaplin-Filme, einzelne Studiobauten aus den Filmen sind als Kopie ausgestellt. Im grosszügigen Park kann der Besucher die vielen Eindrücke verarbeiten und auf den Spuren Chaplins wandeln. Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude sorgt ein Restaurant für Speis und Trank. In den Museumsräumlichkeiten sorgen verschiedene Wachsfiguren für Abwechslung. Denn das Konzept für die Ausstellung stammt vom französischen Wachsfigurenmuseum Grévin, das in Paris am Boulevard Montmartre direkt neben der Galerie Jouffroy seine attraktive Ausstellung präsentiert.
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Zwei weitere Ausstellungsstücke im Chaplin's World
Chaplins Bentley

Chaplins Bentley (in Kanada)

Die Kasse und der Museumsladen in Corsier-sur-Vevey befinden sich übrigens in der ehemaligen Garage, wo Chaplins Bentley S3 aus dem Jahre 1964 parkierte. Leider wurde dieses Auto in den 90er Jahren nach Kanada verkauft. Es wäre doch wunderbar, wenn ein Sponsor (z.B. amag - der offizielle Bentley-Importeur für die Schweiz) diese Limousine für das Museum erwerben könnte. Denn dieser Bentley gehört unbedingt neben dem Landhaus aus- und aufgestellt.        
Manoir de Ban

Hotel des Trois Couronnes

Im Jahr 1840 wird auf dem Grundstück Champ de Ban, auf dem ein Bauernhof steht, ein Herrenhaus im neoklassizistischen Stil durch den einheimischen Architekten Philippe Franel (1796 – 1867) erstellt. Das Hotel des Trois Couronnes in Vevey und das Hotel du Righi in Glion zählen ebenfalls zu Franel‘s Arbeiten.
Vom ehemaligen Bauernhof sind noch das Wirtschaftsgebäude (heute Restaurant) und ein Brunnen vorhanden. Auftraggeber für den Bau der Villa war Charles Émile Henri de Scherer. Danach folgten mehrere Besitzer. Im Zweiten Weltkrieg wird das Anwesen für Flüchtlinge geöffnet. Der ehemalige US-amerikanische Diplomat Grafton Winthrop Minot übernimmt 1946 den Landsitz und nennt es Manoir de Ban.
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Manoir de Ban (Ausstellungsstück Chaplin's World)
Eugène Chaplin

Der Salon im Manoir de Ban (Chaplin's World)

Am 31. Dezember 1952 erwirbt Charles Chaplin das Haus für sich und seine Familie. Chaplin stirbt 1977, seine Witwe Oona 1991. Danach wohnen die Söhne Michael und Eugène mit ihren Familien darin. Eugène Chaplin ist das vierte Kind von Oona, aber das erste, das in der Schweiz geboren wurde. Er ist als Tontechniker in der Westschweiz tätig und hat mit internationalen Musikern zusammengearbeitet, sieben Jahre war er künstlerischer Direktor des Zirkus Nock und er ist massgebend an der Realisierung und am Betrieb des Chaplin’s World beteiligt.

Eugène Chaplin: Le Manoir de mon Père

Eugène Chaplin bringt 2007 in der Edition Ramsay das Buch Le Manoir de mon Père heraus. Dieses ist mit vielen grossformatigen Fotos und einem liebenswürdigen Text zu seinen Eltern versehen. Die Fotografie rechts stammt aus diesem Buch und zeigt uns den Salon mit Blick zur Bibliothek, in der sich auch Chaplins Büro befand, aufgenommen im Jahr 1977. Die Fotografie oben zeigt uns die Wiedergabe des Salons im heutigen Museum.   
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Eugène Chaplin: Le Manoir de mon Père
Tramp-Kostüm

Fernand Léger (Ausstellungsstück Chaplin's World)

Bereits in seinem zweiten gedrehten Film – er wird als sein dritter auf der Leinwand erscheinen – erfindet Chaplin sein Tramp-Kostüm. Dazu schreibt der polnische Autor Jerzy Toeplitz in seiner 1972 im Henschelverlag in der DDR auf Deutsch erschienen Geschichte des Films treffend: „Es kopierte die tadellose Eleganz eines Max Linder, aber es wurde von einem Max im Elend getragen. Von dem Dandy waren nur die Symbole seines Chics übriggeblieben. Der elegante Herr selbst hatte sich in einen Tramp verwandelt, in einen Landstreicher, der sich für einen Herrn aus der Gesellschaft ausgab. Der kleine Mensch, dem ständig die Hosen rutschten und der sich in zu grossen Schuhen verliert, vergisst nicht einen Augenblick, dass er auf dem Kopf eine Melone und in der Hand ein Stöckchen trägt, Requisiten der Garderobe eines modernen Gentlemans. Der Kontrast zwischen dem Tramphabitus und den zur Schau getragenen Manieren machte nicht zuletzt das Geheimnis der chaplinschen Komik aus.“
Charlie im Hotel
Dieser zweite gedrehte Film, in der Filmografie der dritte, hiess Mabel’s Strange Predicament, ein Einakter (ca. zwölf Minuten) aus dem Jahre 1914. Der erste Auftritt im Chaplin-Kostüm findet in einer Hotelhalle statt und auch der Rest des Films spielt bis auf eine kurze Park-Szene im Hotel. So heisst dieses Slapstick-Stück in Frankreich treffend Charlot à l‘Hôtel.

Mabel's Strange Predicament

Dass es sich um ein Grandhotel handeln muss, zeigen uns schon in den ersten Szenen ein Concierge an der Rezeption, die Hoteldiener, die Treppenanlage und das Portal im Hintergrund, das wohl in ein Restaurant führt. Auch sind neben dem alkoholisierten Chaplin mit rauchender Zigarette noch andere Gäste anwesend, die die Hotelhalle beleben. Als Mabel Normand, der eigentliche Star des Films, mit einem reinrassigen Kurzhaarcollie an der Leine das Hotel betritt, sieht man für einen Moment den grosszügigen Hoteleingang mit galerieähnlichen Säulen.

Caught in the Rain

Bereits knapp drei Monate nach seinen ersten Filmen in den Keystone-Studios von Mack Sennett führt Charlie Chaplin zum ersten Mal selbst Regie. Der Einakter nennt sich Caught in the Rain und spielt wieder vorwiegend in einem Hotel! Doch handelt es sich hier wohl nicht um ein Grandhotel. Das verraten schon der unscheinbare Eingang und die eher kleine Hotelhalle. In seinen weiteren Filmen treffen wir noch öfters auf Szenen, die in Grandhotels spielen, so etwa in A Night Out (1915), The Cure (1917, in einem vornehmen Kurhotel), The Idle Class (1921), A King in New York (1957) und A Countess from Hong Kong (1967, auf einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff).             
Chaplin im Hotel

Hôtel Claridge, Paris, Bar

Als Charlie Chaplin im September 1921 zum ersten Mal nach seinem Aufstieg zum Filmstar Europa besucht, steigt er in London im Hotel Ritz ab. Als junger Mann lief er oft bei der Baustelle dieses Hotelpalastes, der 1906 eröffnet wurde, vorbei. Jetzt kann er es sich leisten, darin zu wohnen.
In Paris wählt er das Hôtel Claridge an der Avenue des Champs-Elysées als Wohnort. Hier trifft er sich mit dem französischen Humoristen Pierre Henri Cami, mit dem er seit 1914 in Briefkontakt steht. Das Hotel Claridge beendet 1980 seinen Betrieb, das Gebäude wird heute anders genutzt.
Von Paris aus macht Chaplin einen Abstecher nach Berlin, wo er im Garten des Hotel Adlon Pola Negri triff. Während er in London und Paris von den Fans stürmisch gefeiert wird, gilt er in Berlin als Unbekannter, da seine Filme erst Jahre nach dem Ersten Weltkrieg den Weg nach Deutschland finden werden.

Hotel Imperial, Wien

Knapp zehn Jahre später ist es wieder soweit: Im Februar 1931 reist Chaplin nach Europa, im Gepäck hat er den eben fertig gestellten Film City Lights. Dieses Mal steigt er in London im Carlton Hotel ab, das ebenfalls der Schweizer Hotelier César Ritz initiierte. Das Carlton wurde 1940 leider durch deutsche Bomben beschädigt, danach geschlossen und 1957 abgerissen.
Chaplin reist weiter nach Berlin, wo er von der Bevölkerung freudig empfangen wird. Denn inzwischen sind auch hier seine Filme bekannt. Er wohnt wieder im Hotel Adlon, wo er  Marlene Dietrich trifft, die kürzlich mit dem Film Der blaue Engel zum Star avanciert ist.
Von Berlin reist er weiter nach Wien, wo er sich im prächtigen Hotel Imperial am Kärntner Ring einquartiert und ebenfalls von der Bevölkerung eine stürmische Begrüssung erhält.

Hotel Majestic, Cimiez-Nizza, heute Appartementhaus


In Paris schliesslich steigt Chaplin im Hotel Le Crillon an der Place de la Concorde ab. Er wird mit dem Orden der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet.    
In Nizza besucht Chaplin schliesslich seinen Halbbruder Sydney, der seit einem halben Jahr hier wohnt. Das Majestic Hotel in Nizza dient als Unterkunft. Dieser Hotelpalast steht heute immer noch, allerdings als luxuriöses Appartementhaus. Bei späteren besuchen seines Bruders in Nizza logiert Chaplin im Hotel Ruhl an der Promenade des Anglais. Leider wird dieses historisch wertvolle Hotel 1970 abgerissen und gegen einen grässlichen Méridien-Neubau ausgetauscht.

Hotel Savoy, Charlie-Chaplin-Suite

Im September 1952 tritt Chaplin seine letzte Reise auf den alten Kontinent an. Man könnte sagen: Europa einfach. Er wird begleitet von seiner dritten Frau Oona und den gemeinsamen Kindern. In London wählen sie das Hotel Savoy als Unterkunft. Chaplin zeigt seiner Frau auf dem Dach des Hotels das London seiner Kindheit und Jugend (auf dem Tisch Foto rechts). Das Hotel Savoy bietet als Erinnerung dieses Besuches eine Charlie-Chaplin-Suite mit der Zimmer-Nr. 718 an. Bereits im Dezember 1952 bezieht Chaplin mit seiner Familie das Manoir de Ban am Genfersee. Oona Chaplin wird nach dem Tod ihres Mannes einen Dankesbrief an das Savoy schreiben.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass zeitgleich mit Chaplin’s World in der Nachbarschaft das Modern Times Hotel als Hommage an Charlie eröffnet wurde. Das Design- und Themenhotel verfügt über Restaurant, Bar und 138 Zimmer und Suiten.
  
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Dankesbrief von Oona Chaplin (Ausstellungsstück Hotel Savoy)
Prospekt

Modern Times Hotel

Adresse: Chaplin’s World, Route de Fenil 2, CH-1804 Corsier sur Vevey /  http://www.chaplinsworld.com/ Öffnungszeiten : täglich 10 – 18 Uhr
© tscheiar - 2016